Die Universität Luzern ignoriert die Bedürfnisse der Wirtschaft!

Wenn man den Diskussionen zum Thema „Braucht die Universität Luzern eine wirtschaftswissenschaftliche Fakultät“ folgt, fällt auf, dass auf einige sehr entscheidende Argumente in der Debatte vergessen gehen. Weil diese für die bevorstehende Entscheidungsfindung im Kantonsparlament sehr entscheidend sind, möchte ich es nicht unterlassen, auf folgende drei Punkte aufmerksam gemacht werden:

  1. Angebotsseitige Betrachtung
    Sowohl Herr Richli als auch Herr Hodel betrachten die ganze Thematik primär aus Sicht Ihres eigenen Hochschulinstitutes und vergessen dabei die Nachfrageseite. Tatsache ist, dass der Bedarf nach Hochschulabsolventen (sowohl FH als auch UNI) im Bereich der Wirtschaftswissenschaft im Wirtschaftsraum Luzern sehr gering ist. Viele der aktuellen Studiumsabsolventen der Hochschule Luzern – Wirtschaft zieht es bereits heute aus beruflichen Gründen nach Zug/Zürich. Dies nicht zuletzt weil es in der Zentralschweiz (mit Ausnahme von Zug) nur wenige Grossunternehmen gibt, welche einen Bedarf nach akademischen Ökonomen haben. Wie Markus Hodel im Interview (NLZ vom 23. April 2012) bestätigt, wird die Wirtschaft in unserem Kanton primär durch kleine und mittelgrosse Unternehmen dominiert, welche in erster Linie auf der Suche nach qualifizierten Praktikern sind und nur selten auf Absolventen mit einem Hochschulabschluss im Bereiche der Wirtschaftswissenschaft angewiesen sind. Die Politik muss dieser Gegebenheit in unserer Wirtschaftsregion gebühren Rechnung tragen und auf eine Strategie verzichten, welche einzig auf ein quantitatives Wachstum der Universität Luzern abzielt.
  2. Alternativen – Naturwissenschaftliche Fakultät
    Unlängst bekannt ist die Tatsache, dass es in der Schweiz ein Mangel an Ärzten und Ingenieuren gibt, während dem Betriebsökonomen, insbesondere in konjunkturell schwierigeren Zeiten, übervertreten sind. Wie Paul Richli im Interview ins Felde führt, gibt es aus Sicht der Universität neben der Wirtschaftswissenschaft auch noch andere „Wachstumsfächer“. Konkret nennt der Direktor der UNI Luzern die Natur- und Volkswissenschaft. In der Folge stellt sich die Frage, weshalb sich die Universität Luzern nicht in einem Bereich weiterentwickeln sollte, welcher sowohl der Luzerner Wirtschaft einen Nutzen bringt und zugleich ein grosses Wachstumspotential für die Universität verspricht. In Anbetracht der knappen finanziellen Ressourcen und des zunehmend Wettbewerbes unter den verschiedenen Hochschulen ist es absolut entscheidend, dass sich gerade eine kleine Universität, wie die in Luzern auf ein Nische fokussiert und sich durch Qualität national und international einen Namen macht. In der Vergangenheit war die Universität mit dieser Spezialisierungsstrategie auf die juristische und theologische Studienrichtung sehr erfolgreich. Der Kantonsrat muss die Universitätsleitung davor bewahren, sich mit dem Aufbau einer wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät ins Fahrgewässer der Hochschule Luzern, der Universität Zürich sowie der HSG zu begeben und sich stattdessen (mit der juristischen Fakultät und evtl. dem Aufbau einer naturwissenschaftlichen Fakultät) klar für eine Strategie der Spezialisierung und Qualitätssicherung aussprechen!
  3. Kooperation statt Konkurrenz
    Seit der Bologna Reform, welche den Hochschulraum in Europa vereinheitlichen soll, sind die Unterschiede zwischen den Universitäten und Fachhochschulen insbesondere in der Wirtschaftswissenschaft weitgehend verschwunden. Mit einigen wenigen Ausnahmen im Bereiche der Zulassung, der Finanzierung sowie der Forschung unterscheiden sich die beiden Angebotstypen kaum mehr zu unterscheiden. Der Blick in den Stellenanzeiger verdeutlicht diese Wahrnehmung, da in den Stellenangeboten der Unternehmen praktisch ausnahmslos sowohl FH- als auch UNI-Absolventen gemeinsam angesprochen werden. Auch wenn die akutuelle Rechtsgrundlage in der Schweiz nur eine beschränkte Kooperation zwischen Fachhochschulen und Universitäten vorsieht, könnte der Kanton Luzern eine Vorreiterrolle übernehmen, indem die beiden Hochschultypen (UNI und FH) kooperativ geführt werden. Als exemplarische Beispiel kann hier die Fachrichtung „Wirtschafts-Recht“ genannt werden, welche heute von der Hochschule Luzern eigenständig angeboten wird, in Zukunft jedoch effizienter und Kostengünstiger durch die Zusammenarbeit mit der Universität geführt werden könnte. Daneben gibt es unzählige weitere Anknüpfungspunkte, wie die Hochschullandschaft in Luzern integriert geführt werden könnte. Dies setzt jedoch voraus, dass sich sowohl die Hochschule als auch die Universität komplementär zu einander entwickelt und sich nicht gegenseitig konkurrenzieren.

Es ist zu hoffen, dass sich der Kantonsrat gegen den Aufbau einer Wirtschaftsfakultät an der Universität Luzern ausspricht uns dadurch den Grundstein für eine Strategie der Spezialisierung sowie des qualitativen Wachstums legt, um so den Hochschulsstandort langfristig zu stärken.

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